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Schliesst man die Augen und oeffnet sie dann fuer einen Bruchteil einer Sekunde, sieht man ganz unmittelbar Gegenstaende, die sich vor einem befinden. Wenn aber danach die Augen wieder geschlossen sind, erblickt man auch andere Dinge, die sich im Blickfeld befanden. Und obwohl man das Bild nicht mehr mit den eigenen Augen sieht, kann man seine Aufmerksamkeit in ihm herum wandern lassen.
Man sieht also in diesem Sekundenbruchteil mehr, als einem in eben diesem Moment bewusst wird. Unser Bewusstsein arbeitet langsamer als unsere Sinne. Es erlebt um die 40 bit/Sekunde. Das Auge sendet pro Sekunde mindestens 10 Millionen (uns bewusst sind nur 40) bit ans Gehirn, die Haut eine Million (5 bewusst), das Ohr sowie der Geruchsinn jeweils100000 (30, bzw. 1), der Geschmackssin ungefaehr 1000 (1) bit. Also braucht das Bewusstsein einige Sekunden, um einen Moment zu identifizieren.

Kognitive Bildverarbeitung
Der Prozess der menschlichen Bildverarbeitung verlaeuft źber mehrere Ebenen: erster Blick - VerstŠndnis des Gesehenen - Einpraegung im Gedaechtnis. Diese Ebenen bilden eine logische Abfolge. Die Prozesse auf den Ebenen ueberlappen sich teilweise und sind miteinander verknuepft. Die Ebenen sind: Voraufmerksame Verarbeitung, Aufmerksame Verarbeitung, Elaborative Verarbeitung, Rekonstruktive Verabeitung. Nachfolgend werden die einzelnen Ebenen genauer erlaeutert:
Voraufmerksame Verarbeitung: Wenn wir ein Bild sehen, erfassen wir zuerst eine Szene, Details werden nicht ausgewertet. Das geschieht automatisch und wird nicht bewusst gemacht. Visuelle Informationen werden in elementare visuelle Merkmale zerlegt, daraus entsteht die Wahrnehmung. Dabei spielt die Figur-Grund-Einteilung eine wichtige Rolle. Durch Gestaltfaktoren kann der Prozess der Gruppierung beeinflusst werden, z.B. werden Einheiten visuell gruppiert, die eigentlich nicht zusammen gehoeren.
Aufmerksame Verarbeitung: Eine Detailauswertung des Bildes erfolgt, die Aufmerksamkeit wendet sich besonders informationshaltigen Bildausschnitten zu. Der Betrachter stellt dann quasi eine sprachliche Kopie des Bildes her, er benennt Objekte und Personen. Eine Verbalisierung von Bildern verbessert die Wiedererkennung.
Elaborative Verarbeitung: Nicht nur die Inhalte werden versucht zu verstehen, sondern auch die damit bezweckte Mitteilung. Diese Ebene der Bildverarbeitung ist nicht selbstverstaendlich, sondern muss gelernt und trainiert werden. Dabei laufen drei Prozesse ab:
Verstehen auf der Inhaltsebene: Das Gesehene wird in groessere ZusammenhŠnge eingeordnet. Verstehen auf der Beziehungsebene: Die Frage nach dem Zweck des Bildes wird gestellt = Ein und dasselbe Bild ergibt immer wieder neue Ablese- und Schlussfogerungsprozesse. Wahrnehmungslernen: ist die differenzierte Auswertung von Bildern. Gelernt werden koennen Darstellungskonventionen und die sorgfaeltige Durchmusterung der visuellen Vorlage.
Rekonstruktive Verarbeitung: Es ist bekannt, dass man Bilder gut behalten kann, weshalb das visuelle Lernen oft eingesetzt wird. Information ist in unterschiedlichen Wissensformen und an verschiedenen Orten im Gehirn repraesentiert. Erinnern ist die Rekonstruktion aufgrund vorhandener Prozessspuren. Es gibt folgende Gedaechntisrepraesentationen: Visuelle, Raeumliche, Konzeptuelle Repraesentation, Mentale Modelle, Wiedererkennen, Wiedergabe.

Wenn der Mensch sich wirklich anstrengt, so kann er sich sieben verschiedene Woerter, Zahlen, Begriffe, Geraeusche, Phoneme, Eindruecke oder Gedanken gleichzeitig bewusst sein. Vier verschiedene Dinge gleichzeitig im Kopf zu behalten, ist nicht sehr schwierig. Bei fuenf bis sieben wird es eng. Zehn sind geradezu unmoeglich - wir kommen durcheinander. Scheinbar hat der Mensch eine innere Begrenzung. Wird diese Kanalkapazitaet ueberschritten, hoert der Mensch auf, die Dinge einzeln zu begreifen. Er fasst sie zu Gruppen zusammen. Am deutlichsten wird dieses Phaenomen beim Lesen: Wir befassen uns nicht mit jedem einzelnen Buchstaben, sondern erkennen Buchstabengruppen, Woerter. Aus einem aehnlichen, sehr praktischen Grund werden Symbole verwendet. Ein Symbol hilft dem Menschen, eine Menge Informationen zu er- und behalten, obwohl er nur sieben Dinge auf einmal im Kopf haben kann. So sind Symbole quasi die Trojanischen Pferde, mit denen die Informationsbits ins Bewusstsein geschmuggelt werden.

Quelle: Tor Norretranders "Spuere die Welt - Die Wissenschaft des Bewusstseins", Rowohlt Taschenbuchverlag, Hamburg 1997, ISBN 3 499 60251 2
http://v.hbi-stuttgart.de/infodesign/b/bildverarbeitung.html

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