17.1o.2ooo

Reden wir mit unseren Gespraechspartnern ueber einen Keks, der uns beiden schmeckt, wissen wir, wie wir selber den Gebaeckgeschmack empfinden. Aber wir erfahren nicht, wie der Keks fuer den anderen schmeckt. Nur weil er sagt, er mundet ihm auch, bedeutet dies nicht, dass er ihn genauso schmeckt, wie wir ihn. Genauso verhaelt es sich mit dem Sehen. Schaut man zum Himmel, fuehlt man sich lebendiger - weil das Farbensehen ein aktiver Vorgang ist:
Wahrnehmen und Empfinden passiert nicht am Objekt, sondern in den Menschen, die dieses Objekt betrachten, anfassen, verzehren etc.. Rezeptoren nehmen zum Beispiel visuelle Informationen auf. Nervenimpulse wandern zum Gehirn. Sie passieren den Sehhuegel, den Thamalus -die Schaltzentrale fuer die Uebermittlung der Sehnervenimpulse- und werden von dort zur Sehrinde (visueller Cortex) weitergeleitet. Die erste visuelle Cortexregion, das primaere Sehfeld, kann bis zu 100 Millionen Nervenzellen aufweisen - ein Vielfaches der Sehzellen in den Augen. Die Nervenzellen der Hirnrinde sind sehr spezialisiert. Sie erkennen Konturen, Linien, Kontraste usw.. Was man aber letztendlich sieht, ist ein Ergebnis von Berechnung und Simulation. Und da der Mensch offensichtlich nicht nur auf Basis von Algorithmen funktioniert (sonst waere man bei der Entwicklung kuenstlicher Intelligenz schon viel weiter), sehen, schmecken und fuehlen Menschen verschieden.

Quelle: Tor Norretranders "Spuere die Welt - Die Wissenschaft des Bewusstseins", Rowohlt Taschenbuchverlag, Hamburg 1997, ISBN 3 499 60251 2

Das Bild von innen

>kommentieren?<